Biographie

Vom Ausnahme-Schlagersänger zum Truckeridol, vom Liedermacher zum Countryrocker. Der „deutsche Johnny Cash“ ist endlich bei sich angekommen und bliebt doch immer gunterwegs. bio_01In Bünde / Ostwestphalen ist das Leben kein Zuckerschlecken. Da wird er als Günther Caspelherr geboren, und das Geld ist knapp. Er macht zwar eine Schlosserlehre, doch die Gedanken sind woanders. Stets nimmt er seine Gitarre mit in die Fabrikhalle, um in den Pausen zu üben. All die Lieder, die er im Radio hört. Tom Dooley, Tutti Frutti, I Walk The Line, schneller Rock’n’Roll und erdige Countrymusic. Elvis bringt ihn zur Musik, Johnny Cash zeigt ihm den Weg… Nach dem Maschinenbau-Studium ist Schicht im Schacht, er will ins Musikgeschäft, nichts anderes. Bei Hansa Records erhält der junge Gabriel als Songschreiber eine Chance. Und die nutzt er. „Ich werd gesucht in Bremerhaven“ ist sein erster großer Erfolg, die deutsche Version von „Wanted Man“, im Original von Johnny Cash. Hits wie vom Fließband. „Komm unter meine Decke“, „Hey Boss, ich brauch mehr Geld“, „Ohne Mos nix los“, „30 Tonner Diesel“, alle von ihm getextet und gesungen. Auch als Komponist und Produzent für andere Künstler fährt Gunter Gabriel Erfolge ein: „Ich trink auf Dein Wohl, Marie“ (Frank Zander), „Wenn Du denkst Du denkst, dann denkst Du nur Du denkst“ (Juliane Werding), Hits für Peter Alexander, Karl Dall, Tom Astor, Dieter Hallervorden oder die Fußball-Hymne „Wer wird deutscher Meister? Ha-Ha-Ha-HaEsVau!“.  
  bio_02Die internationalen Country-Größen entdecken ihn. Duette mit Boxcar Willie und Tammy Wynette, Tourneen mit Don Gibson und Conway Twitty. Endlich ’78 der lang ersehne Privatbesuch bei seinem Idol in Nashville, Tennessee. Johnny Cash holte seinen „German Friend“ auch zu sich auf die Bühne, wenn er hierzulande auf Konzertreisen war. Das Geld sprudelt, Erfolgsdruck, falsche Freunde. Gläubiger, Geldeintreiber, Finanzamt. Mehrere kaputte Ehen, irgendwann ist die Kasse leer. Griff zur Flasche, Absturz. Leben auf der Autobahn, im Wohnwagen. „Von der Bundesliga in die Kreisklasse“. Geächtet. Erst in Hamburg, 1995, lösen sich die Probleme. Er verliebt sich in sein rotes Hausboot „Magdeburg“ und verdrückt sich in den Freihafen, und später in den Harburger Binnenhafen, wo noch die letzte private Werft steht. Hier entsteht auch „Gunterwegs“, astreiner Countryrock. Xavier Naidoo schreibt ihm den Titel „Seine Strassen“. Die Industrieromantik inspiriert ihn. Hier findet er endlich die Ruhe, eine Herzensangelegenheit auszubrüten, die er schon lange mit sich herumträgt: Die besten Lieder seines großen Seelenverwandten ins Deutsche zu übertragen. Im berühmten Cash-Studio „The Cabin“ in Hendersonville, 30 Meilen vor den Toren Nashvilles, entsteht „Gabriel singt Cash“ mit tatkräftiger Unterstützung von Cash-Sohn John, der die Aufnahmen arrangiert und Cash-Tochter Laura, die Violine spielt. Er gibt wieder Konzerte mit seinen Nashville Three.  
  bio_03 Farin, Bela und Rod bitten den Countryhelden ins Studio. Seine whysky-gegerbte Stimme gibt einer Ärzte-Produktion den letzten Schliff. Überhaupt die jungen Wilden! „Liebe Autos Abenteuer“, eine ganz spezielle Hommage – junge Punkbands spielen Gabriel-Songs, die dadurch erst recht ihre rebellische Aussage zeigen. Die American Music Federation nominiert „Gabriel singt Cash“ zum „Album des Jahres“, allein 6 Nominierungen für Gunter Gabriel bei den „Country Circle Awards“ 2003. „Gunterwegs“ wird bei der Verleihung des 11. „Country Music Award“ zum „besten Album 2003“ gekürt. Das Leben, und speziell das des Gabriel, ist ein Fluss. Nach 10 Jahren an der Harburger Jöhnkwerft wirft der ewige Wanderer seinen Anker in die Spree!?! Bei ihm weiss man nie. Unumstritten bleibt, dass Gunter Gabriel einer der besten und engagiertesten Singer / Songwriter in diesem Land ist. Eine lebende Country-Legende. Unkaputtbar. Quelle: Jürgen Rau in „Rock’n’Roots„, erschienen 2008 im Schall & Rau Verlag.